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Georg Ringsgwandl

geb. 15. November 1948
Georg Ringsgwandl, der promovierte Mediziner, kündigte anno 1993 nach neun Jahren seine Oberarztstelle für Kardiologie und Intensivtherapie am Kreiskrankenhaus in Garmisch-Partenkirchen, um seine Familie fortan allein mit seiner Kunst zu ernähren.
Seine erste Platte war bereits sieben Jahre bevor Georg Ringsgwandl seine "Ankopplungsstelle zum normalen Leben in der Gesellschaft" gekündigt hatte erschienen; "Das Letzte", so hieß das Werk, finanzierte er selbst "um den Enkeln einen Funken der Kreativität des Großvaters zu zeigen, als Beweis". Manchmal kamen damals 20 oder 30 Leute zu seinen Auftritten, zuweilen aber kein einziger. Wenig später wurde er mit dem Salzburger Stier und dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet.

Aber in Wirklichkeit begann Ringsgwandls musikalische Karriere viel früher. Schon als Kind spielte er Zither, später erwarb er an der Gitarre, am Keyboard und an der Posaune bühnentaugliche Kenntnisse. Als Student versuchte sich Ringsgwandl als Folkprotestsänger, und anno 1977, zwei Jahre nach seiner Promotion zum Dr. med., absolvierte er in der Münchener Szenekneipe Muh seinen ersten Soloauftritt. Danach tingelte er drei Jahre lang mit seinem ersten eigenen Programm "Gurkenkönigs Hausfrauenshow" durch die Kleinkunstbühnen - wann immer es seine Facharztausbildung am Münchener Klinikum Großhadern zuließ.

1994 debütierte er als Dramatiker: Das Singspiel "Die Tankstelle der Verdammten" bescherte dem Schauspiel Köln 60 ausverkaufte Vorstellungen, obwohl nur zehn angesetzt waren.

In Ringsgwandls drittem Bühnenstück, dem "Prominentenball", der 2004 am Münchner Residenztheater uraufgeführt wurde, gibt Ringsgwandl den panischen Prominentenarzt Bernhard Mayer-Waldorf, der auch eine gewisse Schauspielerin Uschi Stahl zu kurieren hat, die an einer besonders perfiden Krankheit leidet, dem Alter. Ein paar Jahre vorher schrieb er "Ludwig II. Die volle Wahrheit", eine Punkoper, die Ende 1998 an den Münchner Kammerspielen herauskam. Die Zuschauer rissen sich um die Karten.
1996 erscheint zwischen zwei Musicals das grelle Werk "Der Gaudibursch vom Hindukusch", im Jahr 2001 folgt Ringsgwandls bis dahin stärkstes Album "Gache Wurzn", ein reifes Unplugged-Werk, in dem der Sänger mit der ihm eigenen Ironie das Groteske des Daseins auf den Punkt bringt.
Er macht, was er sich mittlerweile leisten kann zu machen: pure Lustmusik. Und der mitleidig liebende Sarkasmus des Doktors ätzt zwar immer noch, aber mittlerweile scheint dem Intensivmediziner das Pflaster-auf-Wunden-kleben fast ebenso viel Freude zu bereiten wie das hemmungslose Narbenaufreißen.
Ab Juni 2005 ist die Band auf Tour produktiv wie eine reisende Musikwerkstatt, und im April 2006 glaubt der einzige ernst zunehmende Rockkabarettist des Planeten, dass es Zeit für eine neue Platte sei.
Mit "Der schärfste Gang" ist Georg Ringsgwandl dort angekommen, wohin er mit "Das Letzte" losgezogen ist: Zwischen einer furios gemästeten Rock-`n`-Roll-Gitarre und der schwindsüchtig sich abstrampelnden Zither blitzt mitunter eine anarchische Form der Weisheit auf. Ringsgwandl muss sich also in Acht nehmen. Aber darin ist er geübt.
2009 "Untersendling". 2013 "Mehr Glanz!".

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Programme von Georg Ringsgwandl:

WOANDERS. Saubere Musik und dreckige Geschichten.